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EU befürchtet eine Million Schweinegrippe-Fälle – Bedenken wegen Massenimpfungen

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In der Europäischen Union wird mit einem drastischen Anstieg von Infizierten gerechnet. 150 Millionen Menschen sollen mit einem Impfstoff gegen das Virus H1N1 geschützt werden. Doch deutsche Fachleute warnen vor unkalkulierbaren Risiken: Die geplante Massen-Impfung sei ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung, so ein Arznei-Experte.

In der Europäischen Union wird mit mindestens einer Million Schweinegrippe-Fälle im Herbst gerechnet. Das sei sogar nur eine konservative Schätzung, erklärte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Europäischen Parlaments, Jo Leinen. Seine Parteikollegin und Vizepräsidentin des Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt, warf ihm daraufhin indirekt vor, Panik zu schüren, und erklärte: „Ich würde heute niemals eine Zahl nennen."

Derzeit sind in der EU rund 24.200 Fälle von Schweinegrippe gemeldet worden, davon 6.062 Erkrankungen in Deutschland. Leinen sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zur Zahl von Erkrankungen: „Die Skala ist nach oben offen, und kein Land in der EU wird verschont bleiben.“ Bereits jetzt sei in einigen spanischen Urlaubsregionen eine „regelrechte Seuche“ ausgebrochen.

Nach Angaben des Sozialdemokraten sollen 150 Millionen Europäer mit einem Impfstoff gegen das Virus H1N1 versorgt werden. „Wir sind sehr beunruhigt, dass die Hersteller des Impfstoffes uns immer wieder vertrösten: Erst hieß es, das Serum kommt im September, dann im Oktober und nun scheint es erst im November zur Verfügung zu stehen. Das wäre definitiv zu spät."

Die geplante deutschlandweite Massen-Impfung gegen die Schweinegrippe stößt bei Fachleuten indes auf große Bedenken. Mehrere Arznei-Experten warnten davor, eine solche Impfung sei angesichts des harmlosen Krankheitsverlaufs nicht verantwortbar.

Der Herausgeber des pharmakritischen „Arznei-Telegramms“, Wolfgang Becker-Brüser, sagte dem „Spiegel“: „Was wir hier erleben, ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung.“ Die Sicherheitstests der Musterimpfstoffe seien nicht besonders umfangreich gewesen. Nur häufige Nebenwirkungen, die mindestens bei einem von hundert Geimpften auftreten, sollten demnach erkannt werden. Dies bedeute rechnerisch, dass bei 25 Millionen Geimpften fast 250.000 eine schlimme Impfreaktion erleiden könnten, ohne dass dies zuvor in den Studien aufgefallen wäre. In Deutschland soll rund ein Drittel der Bevölkerung geimpft werden.

Der Virologe Alexander Kekulé sagte dem „Tagesspiegel“, es müsse angesichts der Erfahrung, dass die Erkrankung meist harmlos verlaufe, diskutiert werden, ob man bei der Zulassung von Impfstoffen „nun nicht noch ein paar zusätzliche Sicherheitsebenen einzieht“. Der Bremer Pharmakologe Peter Schönhofer sagte dem Blatt, in den USA sei bereits in den 70er Jahren ein Impfstoff gegen Schweinegrippe zurückgezogen worden, da es dort bei Impfungen zu einer auffälligen Häufung überschießender Immunreaktionen mit Nervenlähmungen gekommen sei. Der Impfstoff, mit dem nun die neue Grippe bekämpft werden solle, sei „nach dem selben Strickmuster“ gebaut.

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