Ekklesia-Newsletter Oktober/2009
Liebe Leser,
nachdem der Ekklesia-Newsletter einige Zeit nicht erschienen ist, möchten wir Ihnen nun die aktuelle Ausgabe präsentieren. Ich werde versuchen, in der Zukunft zumindest den Monatlichen Newsletter regelmäßig erscheinen zu lassen.
Hier nun ein Auszug aus den aktuellen Meldungen des Oktobers.
Tschechischer Präsident gibt Widerstand gegen EU-Reform auf
Prag/Köln/Hamburg - Unterschreibt er oder unterschreibt er nicht? Die vergangenen Wochen hatte der tschechische Präsident Václav Klaus für einigen Unmut in Brüssel gesorgt, weil er die Unterzeichnung des EU-Reformvertrages von Lissabon hinauszuzögern drohte. Jetzt gibt der EU-kritische Klaus seinen Widerstand auf. Der Tageszeitung "Lidove Noviny" sagte er am Samstag, der Ratifizierungsprozess könne "nicht mehr gestoppt" werden.
Klaus ist der einzige EU-Staatschef, der den Vertrag noch nicht unterzeichnet hat. Er knüpft seine Unterschrift an die Verankerung der Beneš-Dekrete in einer Ausnahmeklausel und begründet dies mit etwaigen Forderungen von Sudetendeutschen und Ungarn, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage der Dekrete enteignet und vertrieben worden waren. Der Tscheche argumentiert, die Vertriebenen könnten unter Verweis auf die im Reformvertrag enthaltene EU-Grundrechtecharta die Rückgabe ihrer einstigen Besitztümer einklagen. Deshalb müssten Ausnahmen von der Charta zugestanden werden.
Umstrittene Sekte «Wort und Geist» auch in Nürnberg aktiv
In einem kritischen Beitrag hat sich die ZDF-Sendung Frontal 21 vor kurzem mit der religiösen Gemeinschaft «Wort und Geist» auseinandergesetzt. Seit 1996 hat diese auch ein Zentrum in Nürnberg. Die NZ sprach mit Bernhard Wolf über «Wort und Geist». Wolf ist seit 20 Jahren Beauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für neue religiöse und geistige Strömungen.
NZ: Herr Wolf, die religiöse Gemeinschaft «Wort und Geist» rückt immer wieder in den Fokus von Medien. Seit wann und warum beschäftigen Sie sich mit dieser Gemeinde? Bernhard Wolf: Seit 1999, seit sie gegründet wurde. Bei mir haben sich immer wieder Menschen gemeldet, die Probleme mit Angehörigen haben, die regelmäßig zu den Heilungsgottesdiensten und den Bibelschulen von «Wort und Geist» nach Röhrnbach gefahren sind. Es hat sich gezeigt, dass es in Familien und Ehebeziehungen Probleme gibt, wenn ein Partner nicht an die Lehre von «Wort und Geist» glauben will.
NZ: Wie bewerten Sie «Wort und Geist»?
Wolf: Lehre und Praxis sind hochproblematisch. Es handelt sich um eine Erfolgs-, Wohlstands- und Heilungsideologie, die den «aus dem Geist» Lebenden zu einem Übermenschen erklärt, der allen weltlichen Problemen enthoben ist. Diese sind letztlich nur eine Illusion. Man tut dabei so, als sei man eine normale, christliche Freikirche – in Wahrheit ist man unter den Freikirchen völlig isoliert. Dagegen betont der Gründer Helmut Bauer, der als «Völkerapostel» bezeichnet wird, immer wieder den Status als Stiftung.
NZ: Wie steht «Wort und Geist» zu Krankheiten?
Wolf: Krankheit ist ein besonderer Schwerpunkt dieser Organisation. «Wort und Geist» bietet Heilungsgottesdienste an, wo den Menschen gesagt wird, dass ein Christ nicht mehr krank werden muss, weil Gott alle Probleme im Zusammenhang mit Krankheiten gelöst hat. Man müsse nur entsprechend glauben. Die Menschen sollen ihren Verstand ausschalten und dann würden sich ihre Probleme wie Krebs-Metastasen lösen. Das ist eine Ideologie, die mit christlicher Botschaft und der Bibel nichts mehr zu tun hat. Bei «Wort und Geist» ist z. B. gesagt worden, dass ein richtiger Christ mindestens 120 Jahre alt werden kann. Seit kurzem tritt die Botschaft stark in den Vordergrund, dass das Leben einfach ist.
NZ: Warum sind die Menschen empfänglich für «Wort und Geist»?
Wolf: Die Gottesdienste sind sehr emotional. Es gibt einen Lobpreis, mit der sich die Gemeinde in Stimmung bringt. Die Menschen erleben in dieser emotionalen Atmosphäre ein Gefühl von Gemeinschaft. Zudem fasziniert die Menschen die Botschaft: Alles ist einfach. Du kannst alles, wenn du im Geist lebst. In einer Zeit, wo viele Menschen durch Krisen verunsichert sind, ist diese Botschaft verführerisch.
NZ: Wie schätzen Sie die Heilungsgottesdienste ein?
Wolf: Organisationen wie «Wort und Geist» und auch andere bieten Gottesdienste an, bei denen Menschen unverantwortliche Heilungsversprechen gemacht werden. Ihnen wird suggeriert, wenn du nur richtig glaubst, wirst du gesund, und zwar hier und heute. Im Umkehrschluss heißt es dann: Bleibst du krank, hast du selber Schuld, denn du hast nicht richtig geglaubt. Das ist fatal und menschenverachtend.
Abbestellt und dennoch bekommen
Nachdem sich die damalige ARF und heutige AG Welt (nomen est omen) von ihrem verantwortlichen Schriftführer und langjährigen Mitarbeiter Dr. Lothar Gassmann auf sehr unschöne Weise getrennt hat, konnte jeder Leser der danach folgenden Ausgaben des Zeitjournals erkennen, wohin der Weg der ARF / AG Welt nun geht.
Dieses veranlasste mich persönlich, diese Zeitschrift abzubestellen.
Nun war ich doch sehr erstaunt, dass man mir dennoch wieder ein Exemplar zusammen mit einem Katalog des Lichtzeichen Verlages zugeschickt hat. Aber die AG-Welt hat wohl genügend Geld, wenn zigtausend Exemplare als idea- und Katalogbeilagen verschickt werden können.
Das Thema ARF / AG Welt und Zeitjournal hatte ich abgehakt, doch die Verantwortlichen dieses „Werkes“ fordern mich ja geradezu heraus, mich doch wieder damit auseinander zu setzen. So wundere ich mich, dass Prof. a. D. Dr.-Ing. Werner Gitt für diese Ausgabe das Vorwort geschrieben hat. Hätte er sich dazu auch bereit erklärt, wenn er von den unschönen internen Vorgängen und der Richtungsänderung gewusst hätte? Die gleiche Frage stelle ich mir auch angesichts des Artikels von Martin Kamphuis.
Jeder Leser, der diese Ausgabe aufmerksam liest, erkennt deutlich den neuen und auch bewusst gewollten Weg der AG-Welt. Wie sonst sollte sich ein unabhängiges Glaubens- und Missionswerk, welches doch Hilfestellung in weltanschaulichen Fragen geben will, werbend für ein Kloster (!) der Syrisch-Orthodoxen Kirche einsetzen (siehe Rückseite des Zeitjournals)? Wenn die AG Welt wirklich Hilfestellung in weltanschaulichen Fragen geben will, müsste sie dann nicht über die unbiblischen Dogmen dieser syrisch-orthodoxen Kirche aufklären, statt für deren Existenz zu werben?
Ein Heft mit einem Götzen auf dem Titelbild möchte ich nicht in meiner Wohnung haben. Auch die Überschrift auf Seite 14 dieser Ausgabe macht mich nachdenklich: Gott braucht Atheisten…. Unter dieser Überschrift berichtet der Idea-Mitarbeiter und AG-Welt-Pressesprecher Thomas Schneider über die Tour des Atheistenbusses. Ich frage mich: Braucht Gott wirklich Atheisten? Muss man in solch einem Bericht die Gotteslästerung eines jungen Mannes aus Hamburg unbedingt wörtlich und unkommentiert veröffentlichen? Ist das wirklich praktizierte „Feindesliebe“, wenn Christen in München mit Schwamm, Eimer und Wasser den Schriftzug auf dem Atheistenbus „Es gibt keinen Gott“ vom Strassendreck befreien und so wieder die Rebellion gegen Gott sichtbar machen?? Zumindest ist das wohl das Verständnis der AG Welt.
Bundeswehr impft anders
Das Robert-Koch-Institut sieht's mit Verwunderung, und auch so mancher Impfwillige mag sich die Augen reiben: Die Bundeswehr bestellt für ihre 250.000 Soldaten einen eigenen Impfstoff gegen die Schweinegrippe - ohne Zusatzstoffe und quecksilberhaltige Konservierungsmittel.
Die Bundeswehr hat für ihre Soldaten einen eigenen Impfstoff gegen Schweinegrippe ohne die bisher bekannten umstrittenen Zusatzstoffe bestellt. Das Verteidigungsministerium bestätigte in Berlin einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Westfalen-Blatt". Zuerst sollen die Soldaten geimpft werden, die im Auslandseinsatz sind oder sich darauf vorbereiten.
Die Zeitung schreibt, anders als das Serum, das der Zivilbevölkerung als Schutz gegen die Infektionskrankheit geimpft werden solle, enthalte der Impfstoff für die Soldaten weder umstrittene Zusatzstoffe noch quecksilberhaltige Konservierungsmittel. Bei dem Impfstoff handele es sich um das Serum Celvapan des Pharma-Herstellers Baxter, das erst am 6. Oktober von der EU zugelassen worden sei.
Ministeriumssprecher Thomas Raabe sagte in der Bundespressekonferenz, es könnten nicht alle Soldaten auf einmal geimpft werden - die Bundeswehr hat 250.000 Kräfte. Wichtig sei, dass die Soldaten, die im Ausland eingesetzt werden oder sich auf einen Einsatz vorbereiten, möglichst schnell geimpft werden. Derzeit sind insgesamt 7200 Soldaten im Auslandseinsatz.
Angst vor Islamisten: Buch erscheint nicht
Weil er die Sicherheit der Mitarbeiter gefährden könnte, wurde ein Krimi des Droste-Verlags über das Thema Ehrenmord aus dem Programm genommen. Das Werk von Gabriele Brinkmann hätte im September erscheinen sollen.
Gabriele Brinkmann wollte einen Krimi erzählen. Unter dem Pseudonym W.W. Domsky sollte im September das Buch "Wem Ehre gebührt" im Droste-Verlag erscheinen. Es thematisiert einen Ehrenmord. Nun muss sich Brinkmann einen neuen Verlag suchen. "Spätestens nach den Mohammed-Karikaturen weiß man, dass man Sätze oder Zeichnungen, die den Islam diffamieren, nicht veröffentlichen kann, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen", erklärte der Verleger Felix Droste laut Informationen des Magazins "Spiegel" gegenüber der Autorin. Deshalb ließ er ihr Buch von einer Expertin überprüfen. Diese machte Textpassagen aus, die die Sicherheit von Mitarbeitern und Familienangehörigen "beeinträchtigen könnten".
Autorin weigert sich, Stellen zu streichen
Da sich die Autorin weigerte, Stellen wie "… schiebt euch euren Koran doch …" durch etwa "… schiebt euch eure Ehre doch …" oder "Erst die grüne Hölle" durch "Erst der grüne Kitsch" zu ersetzen, gab der Verlag die Rechte an dem Krimi wieder zurück, wie der "Spiegel" weiter berichtet. Brinkmann selbst äußerte sich in der Zeitung "Bild am Sonntag" zu der Einschätzung Drostes: Es sei ein "Skandal, dass ein Verleger bei so etwas den Schwanz einzieht. Das ist vorauseilender Gehorsam".
Es ist nicht das erste Mal, dass Verantwortliche aus Angst vor islamistischen Anschlägen oder Protesten Werke von Künstlern aus dem Programm nehmen. 2006 wollte der Regisseur Hans Neuenfels das Mozart-Stück "Idomeneo" an der Deutschen Oper in Berlin aufführen. In einer Szene sollte König Idomeneo die Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed aus einem Beutel holen und sie auf vier Stühle stellen. Das Landeskriminalamt in Berlin warnte, es könne zu Prostesten und Aufständen kommen. Die Oper wurde aus dem Programm genommen.
Europäische Konterintrige
Die Iren scheinen, wenn das endgültige Zählergebnis nicht noch dramatisch von den bisherigen Hochrechnungen abweicht, »Ja« zum Vertrag von Lissabon gesagt zu haben. Auch wenn dies am Montag sicherlich von führenden Europapolitikern als demokratisches Votum für die fortschreitende europäische Integration gefeiert werden wird, hat das Zustandekommen doch einen recht seltsamen Beigeschmack.
Wir erinnern uns: Eigentlich ging es um eine europäische Verfassung, diese ist aber 2005 an Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert. Andere Völker durften erst gar nicht über diese Verfassung abstimmen. Flugs wurden die wesentlichen Inhalte des Verfassungsvertrages in den Vertrag von Lissabon transferiert, der nun zwar nicht mehr Verfassung heißt — was die Möglichkeit eröffnet, ihn viel unspektakulärer und ohne Volksabstimmungen durch die nationalen Parlamente zu schleusen — aber im wesentlichen die selben Souveränitätsbeschränkungen für die Nationalstaaten mit sich bringt wie die ursprüngliche Verfassung.
Dieser Vertrag kann nur in Kraft treten, wenn er von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert wird; allerdings schreibt die irische Verfassung auch hierfür eine Volksabstimmung vor, an der der Vertrag von Lissabon 2008 prompt scheiterte. Dieses Votum wurde freilich nicht hingenommen, sondern man bot den Iren einige Ausnahmeregelungen an und ließ sie noch einmal abstimmen — Skeptiker sagen, daß man, wenn die Iren wieder nein gesagt hätten, sie halt so oft hätte abstimmen lassen, bis sie endlich mit ja gestimmt hätten.
… bevor es Pflicht wird
Ein Mann mit einem großen Koffer hastet durch eine Flughafenhalle. »Wohin so eilig?«, fragt ihn ein Freund, dem er begegnet. Der Mann setzte seinen Koffer ab und sagte: »Im III. Reich wurde es verfolgt. Unter Adenauer war es verboten. Unter Kohl wurde es erlaubt. Jetzt werden sie als Pärchen in der Kirche gesegnet.« Dann greift er wieder nach dem Koffer und sagt: »Ich will weg sein, bevor es Pflicht wird.«
Diesem hypothetischen Tag sind wir gerade einmal wieder nähergekommen. Während in Deutschland das Bundesverfassungsgericht Homosexuellen in Steuer- und Rentenfragen Gleichbehandlung mit Ehepaaren beschert, erlaubt die lutherische Kirche in Schweden künftig die kirchliche Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren.
Das Bundesverfassungsgericht geht dabei so weit, daß es seine eigene bisherige Rechtsprechung verleugnet. Die Verfassungsrichter begründen Ihre Entscheidung mit einer kabarettreifen Aussage: Zwar sei es verfassungsrechtlich geboten, die Ehe gegenüber anderen Lebensformen zu privilegieren. Aus dem Gesetz zum Schutz der Ehe lasse sich aber nicht herleiten, daß andere Lebensformen benachteiligt werden dürften. Wie jetzt? A darf durchaus mehr bekommen als B, aber nur, solange B nicht weniger bekommt als A. Das ist die verquere Logik einer Argumentation, die verkennt, daß die Privilegierung des einen per definitionem immer die Diskriminierung des anderen ist. Der Rechtsgrundsatz, der jedem Jurastudenten geläufig sein sollte, der besagt, daß Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln sei, war den hohen Richtern wohl zu banal. Das Bundesverfassungsgericht hat einmal mehr gezeigt, daß es seine Aufgabe nicht unbedingt darin sieht, über die Einhaltung der grundgesetzlichen Rechtsordnung zu wachen, sondern daß es durchaus nicht abgeneigt ist, selbst neue Rechtswirklichkeiten zu schaffen — und dabei den ohnehin schon extrem libertären Gesetzgeber noch links überholt.
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