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Christen müssen in der Türkei weiter bitten und betteln

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Istanbul, die Kulturhauptstadt Europas in diesem Jahr, präsentiert sich als Blaupause für das Zusammenleben der Kulturen und Religionen. Die Bosporus-Metropole sei lebendiges Beispiel für das Verschmelzen der Zivilisationen, hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan zur Bewerbung geschrieben. Dabei rühmt sich die größte türkischen Stadt auch ihrer langen christlichen Geschichte. Doch Christen in der Türkei müssen auf die von ihnen erhofften Rechte weiter warten.

Von Carsten Hoffmann/dpa

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel holte im Dezember in einem Interview mit einem US-amerikanischen Fernsehsender zum Paukenschlag aus. "Wir werden als Bürger zweiter Klasse behandelt", klagte das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie und ließ sich in seinem von Stacheldraht, Kameras und Polizei geschützten Amtssitz im Phanar filmen.

 

Bartholomaios kritisierte, dass das vor mehr als dreißig Jahren vom türkischen Staat geschlossene orthodoxe Priesterseminar auf der Prinzeninsel Heybeli (griechisch: Chalki) im Marmarameer trotz langen Verhandlungen und Forderungen der EU wie der USA noch immer geschlossen ist. Die theologische Hochschule sei für den Nachwuchs und den Fortbestand seiner Kirche lebenswichtig. Ohne Ergebnis habe er immer wieder in Ankara vorgesprochen. "Eine solche Schule geschlossen zu halten, ist eine Schande", sagte der Ökumenische Patriarch.

 

Bitten und betteln müssen auch die Katholiken, die in Tarsus die Wiederöffnung der 1943 vom Staat konfiszierten Paulus-Kirche erreichen wollen. Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Gotteshaus am Geburtsort des Apostels Paulus war über mehrere Jahrzehnte von der Armee als Lagerhaus genutzt worden. Vor dem Beginn des "Paulusjahres" war sie ein Museum. Bis vergangenen Sommer durfte sie zwölf Monate lang für Gebete genutzt werden.

 

Zunächst war erklärt worden, die Kirche solle bis zu einer endgültigen Entscheidung geöffnet bleiben. Am 28. Juli 2009 sei dann aber Ordensschwestern in Tarsus mitgeteilt worden, dass sie immer drei Tage vor einer geplanten Messe um eine behördliche Genehmigung bitten müssten, erklärte die katholische Kirche. Wer einen Gottesdienst feiern wolle, müsse Eintrittskarten kaufen. Sollte der Gottesdienst einen negativen Einfluss für die Besichtigung anderer Besucher haben, werde die Leitung des Museums die Messe auf eine halbe Stunde verkürzen. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner warf der Türkei eine "unwürdige Behandlung" der Christen vor. Wo die Religionsfreiheit so massiv eingeschränkt werde, müsse man sich auch ernsthaft um andere Menschenrechte sorgen. Er sieht in der fehlenden Religionsfreiheit in der islamischen Welt auch einen Grund dafür, weshalb es in Deutschland eine Abneigung gegen Muslime gebe.

 

Er kämpfe seit zwei Jahren darum, dass die Paulus-Kirche in Tarsus für alle Christen als Gotteshaus ständig zu Verfügung gestellt werde. "Es ist ein Kampf, der vergeblich ist. Und da fragt man sich vom Gefühl her: Da stimmt etwas nicht. Und daher kommt auch so die ganze Aversion gegen unsere muslimischen Mitbürger", so der Kardinal.

 

Immerhin hat sich jetzt auch die türkische Religionsbehörde (Diyanet) dafür ausgesprochen, die Paulus-Kirche wieder als Gotteshaus zu öffnen. Dies sei ein Beitrag zur Religionsfreiheit, sagte ein Sprecher des  Diyanet-Leiters Ali Bardakoglu. Erste Reaktionen, über die Radio Vatikan berichtete, sind aber skeptisch. Das Vertrauen in die türkische Seite ist gering. Die EU-Kommission hatte die Türkei wiederholt aufgefordert, die Lage der nicht-muslimischen Bevölkerungsgruppen zu verbessern.

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Hebräer 10,19.20.22

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