Bombay (AP) Aus Protest gegen die jüngsten blutigen Angriffe hinduistischer Gewalttäter auf Christen sind am Freitag zehntausende christlich geführte Schulen in Indien geschlossen geblieben. «Der friedliche Protest ist ein Signal an alle, die zu Religionshass und Unfrieden aufstacheln», sagte Babu Joseph, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz. Er verlangte von der indischen Regierung eine unabhängige Untersuchung der Gewalt. In den vergangenen Tagen wurden bei Angriffen von Hindu-Mobs auf
Kirchen, Geschäfte und Privathäuser von Christen insgesamt elf Menschen getötet. Ausgangspunkt der Unruhen in dem Unionsstaat Orissa war die Ermordung eines hinduistischen Anführers in der vergangenen Woche. Die Polizei machte maoistische Rebellen dafür verantwortlich, Hindu-Aktivisten dagegen gaben militanten Christen die Schuld. Tiefpunkt der Gewaltwelle war am Montag der Brandanschlag gegen ein christliches Waisenhaus in Ostindien, bei dem eine Lehrerin getötet und ein Priester schwer verletzt wurde. Der Anschlag sorgte über die Grenzen Indiens hinaus für Aufsehen, Papst Benedikt XVI. verurteilte die Gewalt. Religiös motivierte Gewalt ist in dem ostindischen Unionsstaat Orissa nichts Neues. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen, die im Allgemeinen vom Zorn der Hindus über die Missionstätigkeit von Christen unter der armen Landbevölkerung gespeist werden. Im vergangenen Jahr wurden bei ähnlichen Zusammenstößen in Orissa vier Menschen getötet und knapp 20 Kirchen zerstört. 84 Prozent der 1,1 Milliarden Inder sind Hindus, knapp 14 Prozent Muslime und nur rund 2,5 Prozent sind Christen. Im Großen und Ganzen herrscht ein friedliches Miteinander, doch kommt es auch immer wieder zu Spannungen zwischen Hindus und christlichen Missionaren. Hindus werfen christlichen Missionaren vor, mit dem Versprechen von Arbeitsplätzen und Geld Inder zur Taufe zu locken. Christliche Kirchen betonen dagegen stets, es gebe keine Bekehrungen mit Bestechung oder aus Zwang. Etwa 30.000 christlichen Schulen schlossen sich der Protestaktion an und blieben geschlossen, wie der Christliche Rat von Gesamtindien (AICC) mitteilte. Hinzu kommen noch einmal 12.000 katholische Bildungseinrichtungen. Außerdem gab es Bittgottesdienste und Kundgebungen. Der katholische Erzbischof Oswald Gracias verlangte von der Regierung einen besseren Schutz der Minderheiten. «Unschuldige dürfen kein Ziel sein», sagte er. Ministerpräsident Manmohan Singh äußerte gegenüber der katholischen Bischofskonferenz bei einem Treffen am Donnerstagabend sein Bedauern über die Vorfälle, die er als «nationale Schande» bezeichnete. Zugleich versprach er, die Regierung werde alles ihr Mögliche tun, um die Lage wieder zu normalisieren, wie die indische Nachrichtenagentur PTI meldete.

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