Bünde. Als Eduard seinen 16. Geburtstag feierte, entschied er sich, Jesus zum Herren seines Lebens zu machen. Für ihn und seine Freunde dient seither die Bibel als Kompass. Sex vor der Ehe ist ihnen verpönt, Homosexualität und Abtreibung gilt als Sünde. Was für manche extrem klingt, ist für die jungen Bünder Motivation, sich im Namen ihres christlichen Glaubens zu engagieren. Sie besuchen Senioren, organisieren Jugendtage, machen Musik, drehen Videos und spielen Theater.

Früher stellten sie sich in die Bünder Fußgängerzone, sangen Lieder und verteilten Flyer, auf denen Bibelzitate zu lesen waren. Sie wollten über ihre Gemeinde informieren - die evangelische Freikirche Bünde. Doch solche Aktionen hat die Jugendgruppe, die sich wegen ihrer selbstgedrehten Videos "Bündywood" nennt, inzwischen aufgegeben. "Die Leute sind nicht so offen, haben keine Zeit, hetzen an uns vorbei", sagt Eduard. Seine Freunde nicken. In Tschechien hätten sie andere Erfahrungen gemacht. Dort nähmen sich die Menschen Zeit, stellten Fragen, seien zu kritischen Unterhaltungen bereit. "Vielleicht, weil dort viele Deutsche im Urlaub und deshalb entspannter sind", mutmaßt Thomas.

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Der 19-Jährige sitzt mit seinen Freunden Lilli, Eduard und Gerhard im Café. Sie trinken Cappuccino, lachen über ihre selbst produzierten Videos, die sie auf der Internetportal "YouTube" eingestellt haben und witzeln über ihre eigene Vorliebe für Fastfood-Essen. Dann reden sie über Gott, der Mittelpunkt ihres Alltags. Er sei immer da - wenn sie beten, aus der Bibel lesen oder in den Gottesdienst gehen, aber auch wenn sie für Klausuren lernen oder mit Freunden grillen.

Lilli trägt ein goldenes Herz um ihren Hals. Die 20-jährige Studentin erzählt, wie sie zum Glauben gefunden hat. "Als ich 13 war, bin ich einfach zur Kirche gegangen und habe mir den Gottesdienst angehört - seitdem bin ich dabei", sagt sie. Natürlich sei es manchmal schwierig, wenn sie mit Kommilitonen über ihre Ansichten spricht, aber das sieht sie gelassen: "Entweder, die akzeptieren wie ich lebe oder lassen es."

Auf die Frage, warum sie Homosexualität als Sünde betrachten, reagieren die jungen Freikirchler verhalten. "Es steht so in der Bibel", sagt Thomas, der eine Ausbildung als Krankenpfleger macht und gerade geheiratet hat. Und Eduard ergänzt: "Ich bin überzeugt, dass das, was die Bibel sagt, gut für die Gesellschaft und für die Familie ist." Gleiches gelte für den Geschlechtsverkehr vor der Heirat. Sex gehöre in den geschützten Raum der Ehe, sind sich alle einig. "Wir haben unser Leben Jesus geschenkt und versuchen das zu tun, was die Bibel von uns fordert", betont Eduard. Der 23-jährige Student erzählt Gott seine Sorgen, vertraut darauf, dass er ihn leiten wird. "Ich möchte jeden Menschen bedingungslos lieben" sagt er. Allerdings sei er davon überzeugt, dass Andersgläubige sich auf dem Irrweg befänden. "Es gibt nur einen Weg zu Gott und das ist der über Jesus Christus."

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