Hemmschwelle für Betrug sinkt

9 August, 2008 - 15:28

B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Die Hemmschwelle, andere Menschen oder den Staat zu betrügen, ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Gleichzeitig hat das Anspruchsdenken stark zugenommen. Diese Ansicht vertrat der emeritierte Betriebswirtschaftler Prof. Reinhard Haupt (Jena) am 8. August auf der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg.

Er sprach in einem Seminar zum Thema „Ethik in der Wirtschaft“. Nach seinen Worten meinen immer mehr Menschen genau zu wissen, was ihnen etwa vom Staat zustehe, und forderten das offensiv ein. Bekämen sie es nicht oder empfänden die Abgabenlast als zu hoch, versuchten sie, sich beispielsweise durch Steuerhinterziehung oder Schwarzarbeit dafür zu „entschädigen“. Haupt zufolge sind dem deutschen Fiskus durch Schwarzarbeit allein im vergangenen Jahr 120 Milliarden Euro an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen entgangen. Von 1975 bis 2007 habe sich der Anteil des Sozialprodukts, das durch Schwarzarbeit erzeugt wurde, von 5,8 auf 14,7 Prozent erhöht. Ein besonderes Problem sei das Anspruchsdenken unter Führungskräften, weil sie eigentlich eine besondere gesellschaftliche Vorbildfunktion hätten. Wenn etwa der Chef der Vereinten Dienstleistungsgwerkschaft (ver.di), Frank Bsirske, zusammen mit seiner Frau auf Kosten von Lufthansa 1. Klasse in den Urlaub fliege, sei das zwar legal, deswegen aber noch nicht legitim. „Damit hat er zwar keine gesetzlichen, wohl aber moralische Normen übertreten.“ Nach öffentlicher Kritik hatte Bsirske das Büro des Aufsichtsrates gebeten, ihm die Kosten des Fluges voll in Rechnung zu stellen.

Zum vollständigen Artikel

Tags: