Anstieg der Gottesdienstbesucher trotz anti-christlicher Regierungsmaßnahmen

(Open Doors, 06. August 2008) - In Algerien scheint sich die Lage der Christen etwas zu entspannen. In den vergangenen Monaten wurden keine weiteren Kirchen von der Regierung geschlossen, berichteten Kirchenleiter dem Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors. Dennoch bittet die algerische Kirche weiter um Gebet. Ein „Anti-Missionsgesetz“ schränkt die Aus­übung nicht-islamischer Religionen ein. Organisierte religiöse Gruppen, christliche Gemeinden und Kirchen müssen sich bei der Regierung registrieren lassen. Die Einfuhr von christlicher Literatur wird kontrolliert. Das Gesetz verbietet jede Handlung, die „ermutigt, zwingt oder Mittel zur Verführung gebraucht, um einen Muslim zu einer anderen Religion zu bekehren“. Verstöße können mit Freiheits- oder Geldstrafen geahndet werden. Christen dürfen sich nur in offiziellen Gebäuden versammeln. Rund 26 evangelische Kirchen wurden bereits geschlossen. Diese Gemeinden hatten bislang erfolglos Registrierungsgesuche bei den Behörden eingereicht. Auch katholische Christen werden an der Religionsausübung wie Gottesdienste für ausländische Gastarbeiter außerhalb ihrer Kirchengebäude behindert. Einige Christen warten weiter in Haft auf ihren Prozess. Ihnen werden nicht genehmigter religiöser Aktivitäten vorgeworfen. In Algerien ist der Islam Staatsreligion. Von den 33 Millionen Einwohnern sind schätzungsweise 10.000 evangelische Christen, zumeist ehemalige Muslime, und 1.500 katholische Christen. Open Doors rief weltweit zu einer Unterschriftenaktion mit einem Appell an die algerische Regierung zum Stopp der Maßnahmen gegen Kirchen auf. Auch die internationale Gemeinschaft übte Kritik. Der französische Innenminister und Minister für Menschenrechte sprach öffentlich die Situation an. Open Doors informierte die Europäische Menschenrechtskommission; die Regierungen anderer Länder forderten die algerischen Behörden zur Achtung der Rechte der Minderheiten auf. In den USA sandten 29 Kongressabgeordnete und ein Senator Anfang Juni ein Schreiben an den algerischen Präsidenten.

Auswirkungen auf die Kirche

Doch haben die Repressalien auch positive Auswirkungen. Pastor Salah, ein protestantischer Gemeindeleiter aus Tizi Ouzou nahe Algier, berichtete, dass sich in den vergangenen Monaten die Zahl der Kirchenbesucher von 150 auf ca. 450 bis 500 erhöht habe. Es herrsche zudem eine große Einheit unter den Christen. Lokale Medien schrieben 'Die Christen bewegen sich wie ein Mann, wie ein Körper'. Ein Pastor, der aus Sicherheitsgründen ungenannt bleiben will, berichtete, dass einige Algerier neugierig wurden und seine Kirche in der Nähe von Oadhia, ca. 35 Kilometer südlich von Tizi Ouzou, besuchten. „Seither haben wir gute Kontakte mit vielen Ortsansässigen; manche kamen zu einem Gottesdienst, um sich davon zu überzeugen, was in einer Kirche vor sich geht." Eine Zeitung hatte berichtete, dass seine Kirche umgerechnet rund 5.000 Euro zahlt, wenn man zum Christentum übertritt. „Ein Mann kam zu mir und fragte mich, ob meine Gemeinde ihm dieses Geld zahlen würde, falls er Christ werde“, so der Pastor. Die Haltung einiger algerischer Zeitungen scheint sich jedoch etwas gebessert zu haben, wurde Open Doors berichtet.

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